Donnerstag, 02 März 2017 08:41

Braustelle, Köln

In der ersten Februarwoche hat die amerikanische Bewertungsplattform RateBeer die Ergebnisse für das Jahr 2016 veröffentlich. Hierbei ist die Braustelle aus Köln auf den ersten Platz der Braugaststätten in NRW gekommen. Dies war Anlass genug sich in der Braustelle mit Braumeister Peter Esser zu treffen und diese hier vorzustellen.

braustelle 007 peter esserAm 17.12.2001 eröffnete die Braustelle in Köln-Ehrenfeld ihre Türen. Der Braumeister Peter Esser hat sich dort den Traum der eigenen Brauerei erfüllt. Der Weg dorthin war lang. Generell bestand ein Interesse an Getränken wie Wein und Likör sowie Lebensmitteln und deren Herstellung. Durch Jean Pütz mit Hobbythek in den 80ern wuchs das Interesse am Hobbybrauen. Es folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann, während der man aber feststellte das Brauen doch mehr Spaß macht. Also folgte in Weihenstephan ein Studium zum Diplom-Braumeister. In den folgenden Jahren wurde in verschiedenen Brauereien Station gemacht, es wuchs der Wunsch nach ein wenig mehr Innovation im Bier. Jedoch hatte der ein und andere Brauereichef nur ein müdes Lächeln dafür übrig, sodass die Idee der eigenen Brauerei entstand. Bei der Idee allein ist es glücklicherweise nicht geblieben. Mit einer Jahresproduktion von ca. 500 hl ist die Braustelle derzeit Kölns kleinste Brauerei. Hat aber dennoch die meisten selbstgebrauten Biere im Ausschank.

 

 

 

braustelle 004Das erste Bier der Braustelle ist das Helios, ein Wiess, ein unfiltriertes Kölsch. Benannt ist dieses nach dem Leuchtturm der ehemaligen Helios-Werke, dem Wahrzeichen von Ehrenfeld. Das vielleicht bekannteste Bier ist das Ehrenfelder Alt. Als gebürtiger Düsseldorfer möchte man natürlich ein anständiges Alt brauen, auch in Köln, was schon fast an Blasphemie grenzen könnte. Und kaum war das Alt gebraut und auf die Tafel geschrieben fällte der erste Gast bereits sein Urteil: Hängt ihn auf! Die Reaktion auf das Alt war aber dennoch recht positiv. Die Medien berichteten überregional über das erste Altbier aus Köln, der WDR kam vorbei um Kölner beim Altbier trinken zu filmen, und selbst der Landtag in Düsseldorf bestellte Ehrenfelder Alt.
Natürlich ist es nicht nur beim Helios und Ehrenfelder Alt geblieben. Derzeit sind acht Biere am Hahn und ebenso viele Biere als Flaschenbier erhältlich. In den angebotenen Bieren ist stets ein reger Wechsel drin. Fündig wird hier der Bierliebhaber je nach Jahreszeit von süß bis sauer über rauchig und bitter und noch viel mehr. Einige Biere werden in diversen Fässern, welche u.a. mit Whisky oder Brandy vorbelegt waren, veredelt.
Derzeit schreckt man hier auch nicht vor sehr komplexen Bieren wie z.B. einem Lambic oder einem Oud Bruin zurück, wenngleich diese Biere hier so nicht heißen dürfen. So wird seit 2014 in Anlehnung an ein Lambic das „Fahrt ins Grüne“ gebraut. Die wilden Hefen hierfür stammen u.a. aus dem Kölner Grüngürtel. Hierzu erinnerte sich Peter Esser an den selbstgemachten Holundersekt seiner Großmutter. Denn sie verwendete für die Gärung die Hefen von den Holunderblüten. Für das „Fahrt ins Grüne“ wurden blühende Kirschzweige in die Würze gegeben. Mit dem „Flamländer“ wird seit 2015 in Anlehnung an ein Oud Bruin der zweite Belgier gebraut. Beide Biere sind seit Ende 2016 käuflich zu erwerben.

 

 

braustelle 001Seit der Gründung 2001 sind hier so allerhand kreative Bierchen entstanden. Und es werden auch weiterhin noch so allerhand kreative Biere gebraut. Gebraut werden diese nach dem selbst verfassten Ehrenfelder Reinheitsgebot. Genau einen Paragrafen enthält er: Ins Bier darf was schmeckt und dem Menschen gut tut. So finden hier u.a. immer wieder diverse Blüten, Früchte, Kräuter ihren Weg ins Bier, ebenso natürlich die verschiedensten Malze sowie Hopfen. Derzeit wird mit vier verschiedenen Hefen gebraut, in Zukunft sollen noch weitere hinzukommen.
Genießen kann man die Biere direkt in der Braustelle. Eine lange Theke sowie ausreichend Sitzmöglichkeiten laden hierzu ein. Und neben frisch Gezapftem gibt es noch eine deftige Küche.
Wer nicht in Köln zu Hause ist aber dennoch die Biere der Braustelle genießen möchte ist in Zukunft in Berlin oder auch in den Niederlanden in Haarlem gut aufgehoben. Derzeit sind 500 L „Fahrt ins Grüne“ in Gärung, welche demnächst nach Berlin gehen. Exklusiv für Tierney’s Irish Pub in Haarlem wird ein Irish Red gebraut, welches ausschließlich dort erhältlich ist.
Neben Führungen finden regelmäßig für den angehenden Hobbybrauer Braukurse statt. Mindestens einmal im Jahr jedoch sollte der Auswärtige nach Köln kommen. Denn stets am letzten WE im Mai wird von Peter Esser und seinem Team das „Festival der Bierkulturen“ veranstaltet. Dort gibt es eine große Palette an Bieren der Braustelle zu probieren, aber natürlich noch allerhand weitere Biere aus Nah und Fern sowie dem europäischen Ausland.

Dort findet man die Braustelle:

Christianstr. 2
50825 Köln-Ehrenfeld

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag von 18 bis 1 Uhr
Sonntag ist Ruhetag

www.braustelle.com

Dieser Artikel erschien auch auf www.bierista.nl

Ähnliche Artikel

  • Unterstützt die lokalen Brauereien! Unterstützt die lokalen Brauereien!

    Wir haben hier in NRW eine großartige Bier- und Braukultur. Über 150 Brauereien sind hier in den verschiedensten Regionen tätig, im Ruhrgebiet, Siegerland, Sauerland, Rheinland, Bergisches Land, Westfalen und vielen anderen Landschaften. So mancher Bierstil hat seinen Ursprung hier in Nordrhein-Westfalen, Regionen welche bekannt sind für ihr Bier. Ob das Export aus Dortmund, das Kölsch aus Köln oder das Alt aus dem Rheinland. So einige Bierstile sind leider im Laufe der Zeit vergessen, aber einige von ihnen erleben gerade ihre Wiederauferstehung, wie z.B. das Westfälische Grutbier oder das Münstersch Alt. Und hinter all dieser Bierkultur stecken Menschen mitsamt ihren Familien. Egal ob Braumeister, Braugeselle, Zappes, Köbes und all die anderen. Und sie haben es alle gerade nicht leicht. Aufgrund der geschlossenen Gastronomiebetriebe wird ihnen der Boden derzeit unter den Füßen weggezogen. Viele sind bereits in Kurzarbeit, viele bangen um ihre Arbeitsplatze. Und so mancher Brauereiinhaber bangt vielleicht auch um sein Lebenswerk. Ein kleinwenig kann man die Verluste vielleicht abmildern. Jeder Einzelne kann so wie es ihm möglich ist seine Brauerei, die Bar, den Fachhandel unterstützen, damit auch nach Corona die Bierkultur erhalten bleibt. Denn wer seiner lokalen Brauerei hilft, der hat auch was zu trinken zu Hause. Daher gibt es hier nun eine Lister aller Brauereien, Bars, Fachhändler und Wanderbrauer, welche einen Online-Shop, einen Lieferservice, einen Werksverkauf etc anbieten. Lasst den Angebotskasten dort wo er ist, ihn wird es auch nach der Corona-Krise noch geben. So manche Brauerei vielleicht nicht mehr.

  • Holy Craft Beer Bar, Düsseldorf Holy Craft Beer Bar, Düsseldorf

    Düsseldorf ist in erster Linie natürlich für sein Altbier bekannt. Ein gutes halbes Duzend Brauereien direkt in der Altstadt oder auch auf der anderen Rheinseite sind ein tolles Aushängeschild was die Braukultur der Stadt angeht. Zahlreiche Gastronomien bieten ebenfalls das Alt der Stadt oder auch das Alt einiger großer Marken an. Aber natürlich wird hier nicht ausschließlich Altbier getrunken. Wer die Braukunst anderer Regionen entdecken möchte kann dies in Düsseldorf natürlich ebenfalls tun, z.B. direkt in der Altstadt in der Holy Craft Beer Bar.

  • Hensen Brauerei, Mönchengladbach Hensen Brauerei, Mönchengladbach

    Der Gladbach ist ein Fluss am Niederrhein, welcher jedoch mittlerweile größtenteils unterirdisch verläuft, wurde er doch im Laufe der Zeit kanalisiert. Mönchengladbach ist nach diesem Fluss, welcher in der Niers mündet, benannt. Hier hat er auch seine Quelle. Und an genau dieser Quelle sitzt eine Brauerei, die Hensen Brauerei.

  • Braukunst NRW: Brauerei Kemker & Gruthaus-Brauerei: Dubbel Porse Braukunst NRW: Brauerei Kemker & Gruthaus-Brauerei: Dubbel Porse

    Einem Grutbier begegnet man hierzulande ja doch eher selten. Zuletzt ist man in verschiedenen Fachzeitschriften auf diesen Bierstil gestoßen, mit tollen Berichten sowie Interviews über die Geschichte dieses Bieres und seine BrauerInnen. Geht man aber in gut sortierte Getränkemärkte oder direkt in den Fachhandel, ist das Grutbier selten vorrätig oder teilweise erst gar nicht gelistet. Handelt es sich hierbei doch leider noch immer um ein Nischenprodukt.

Schreibe einen Kommentar

Avatare bereitgestellt durch Gravatar.com

Ich respektieren den Schutz Ihrer Daten! Um eine Verbindung mit Facebook herzustellen und meine Seite zu sehen klicken Sie auf den Button unter diesem Text. Dadurch werden Daten an Facebook übermittelt! Weitere Infos dazu finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Inhalt aktivieren

logo small

Kontakt

E-Mail: info@bier-aus-nrw.de
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.