Freitag, 13 Dezember 2019 21:23

Gruthaus-Brauerei, Münster

Münster, die Stadt des Westfälischen Friedens. Auf die Spur der Beendigung des 30-jährigen Krieges kann man sich noch heute begeben. Im Friedenssaal des Rathauses von Münster hängen die Portraits aller Verhandlungspartner, während einer Führung wird ihre Rolle erklärt. Man sollte seine Augen jedoch nicht nur über die Gemälde oder über die beeindruckende Inneneinrichtung gleiten lassen. Ein versilberter Hahn fällt hier auf, auf den ersten Blick vielleicht ein eher ungewöhnliches Kunstwerk. Ihm darf man ruhig etwas Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dem Bierliebhaber ist er vielleicht schon einmal außerhalb des Friedenssaales begegnet, ist der Hahn doch das Logo der Gruthaus-Brauerei.


Gruthaus 002 TextHinter der Gruthaus-Brauerei steckt der Sprachwissenschaftler Philipp Overberg. Zunächst erschloss er sich die Welt der Weine, radelte im jüngeren Alter den Rhein entlang von Winzer zu Winzer, um den ein oder anderen spannenden Tropfen nicht nur zu verkosten, sondern auch um seine zahlreichen Aromen aufzunehmen. Irgendwann entdeckte er die Vielfalt der belgischen Bierkultur und fing an diese aufzusaugen. Anschließend, es ist nun über 10 Jahre her, begann er mit dem Hobbybrauen, seit 2013 ist er mit seinen Bieren auch gewerblich unterwegs. Sein Interesse liegt auf Bieren mit regionalem Bezug. Denkt man an Münster, denkt man vielleicht auch an Pumpernickel, eine Schwarzbrotspezialität der Stadt. So kam es, dass Philipp einen Roggen-Porter mit Pumpernickel braute, den Pumpernickel-Porter, das erste Bier mit dem er den Markt betrat. Die erste Charge wurde mit Pferd und Kutsche ausgeliefert und in der Nähe des Rathauses, wo sich einst das Gruthaus der Stadt Münster befand, aus dem Anstichfass ausgeschenkt.
Jetzt kommt der Name Gruthaus-Brauerei aber auch nicht von ungefähr. In der Stadt Münster befand sich zu früheren Zeiten ein Gruthaus, heute erinnert noch der Straßenname Gruetgasse daran. Hier wurde die Grut, eine Kräutermischung, verkauft. Dies war eine wichtige Einnahmequelle zunächst für die Kirche, später für die Stadt. Denn sie hatten das Monopol auf die Grut und zu Spitzenzeiten machten genau diese Einnahmen bis zu zwei Drittel des Stadthaushaltes aus. Mit der Grut brauten die Brauer ihr Grutbier, ein Kräuterbier. Heute braut Philipp sein Grutbier. Der mittelniederdeutschen Sprache mächtig forscht er in den alten Rechnungsbüchern der Stadt Münster nach möglichen Zutaten des historischen Grutbiers. Hier arbeitet er auch mit Archäobotanikerinnen der Uni Köln zusammen, die den Inhalt einer mittelalterlichen Latrine in Münster analysiert haben und dabei deutliche Hinweise auf die damalige Braukultur entdeckten. Gebraut wird das historische Grutbier Dubbel Porse, unter anderem mit Gagel, Wacholder und Kümmel, einmal im Jahr zum Internationalen Grutbiertag, gemeinsam mit der Brauerei Kemker aus Alverskirchen.
Gruthaus 003 TextEine klassische Brauerei findet man hinter der Gruthaus-Brauerei nicht, wenngleich Räumlichkeiten bestehen, in denen auch gebraut sowie neue Rezepte entwickelt werden. Meistens ist Philipp Overberg jedoch als Wanderbrauer unterwegs und braut seine gewerblichen Biere u. a. in Detmold bei Liebharts oder in Oelde bei der Pott’s Brauerei. Vier Biere stehen derzeit fest im Programm: Pumpernickel-Porter, Honigbock, Bockwurst-Bock sowie das Münsterländer Hanf. Auch hier kommen die Zutaten aus der Region. Der Honig für den Honigbock von münsterschen Imkern, das Malz für den Bockwurst-Bock wird bei einem Metzger selbst geräuchert, der Hanf für das Hanfbier kommt von einem westfälischen Bauern. Weiter gibt es noch eine Tripel-Serie, für die in jedem Jahr ein besonderes Tripel, ein belgischer Bierstil, gebraut wird. In 2018 war es das Schonebeck-Roggen-Tripel, eingebraut mit Champagnerroggen. Eine alte französische Roggensorte, die auch in Westfalen angebaut wurde und jetzt wieder wird. In diesem Jahr wurde das Goldhafer-Tripel gebraut. Angebaut wurde der Goldhafer von der Brauerei Kemker. Die Zusammenarbeit geht also weit über das gemeinsame Grutbier hinaus.
In der eigenen Brauküche wird mit vielen verschieden Kräutern und Gewürzen experimentiert. Egal ob Gagel, Kümmel, Lorbeer-Beeren oder auch Wermut, was sich in historischen Überlieferungen findet, sei es in Rechnungsbüchern oder archäologischen Auswertungen von Latrinen, landet im eigenen Brautopf. Für die FH Münster werden durch Philipp Overberg in verschiedenen Kursen angehende Ökotrophologen für die Herstellung von Bier sowie die zahlreichen in ihm enthaltenen Aromen sensibilisiert.
Pro Jahr werden etwa 500 hl Bier produziert. Wer die Biere gerne mal trinken mag, bekommt sie in Münster im ausgesuchten Fachhandel. Ebenfalls in ausgesuchter Gastronomie sind sie erhältlich. Außerhalb von Münster kann der ein und andere Fachhandel aushelfen sowie der ein und andere Onlineshop.

www.gruthaus.de

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